Retten was zu retten ist

kelimfragment

Über das Waschen und Konservieren von beschädigten Flachgeweben.

Vortrag von Harry Koll, gehalten am 16.04.2011 in Dusburg, Kultur- und Stadthistorisches Museum (Auszug)

Lange Zeit hat man Arbeiten an textilen Fragmenten im Orient den Teppichflickern, die Wäsche den Teppichwäschereien überlassen. Dies war ein mehr oder weniger sorgfältiger Versuch, mit den Mitteln der einfachen Reparatur Schäden zu beseitigen. Ziel war es, das Textil wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand zu versetzen. 

Die Beschaffenheit von Material und Farbe war dabei oft nachrangig. Es wurde auf die Erfahrung mit gängigen Gebrauchstextilien zurückgegriffen. Bei jeder Reparatur musste dazu vorhandenes Originalmaterial entfernt werden, um die Reparatur überhaupt durchführen zu können. Im Laufe der Jahre verändert sich dann oft zusätzlich die Reparaturstelle farblich anders als das Originalgewebe und wird unübersehbar.

Die Zahl der verdorbenen Arbeiten aus dieser Phase zählt Legionen. Wer kennt nicht ein solches Stück? Viele haben deshalb fragmentarische Stücke entweder gar nicht mehr gesammelt, oder sie vorsichtshalber einfach im Auffindungs-Zustand belassen, was gar nicht die schlechteste Entscheidung war.

Heute gibt es auf Restaurierung spezialisierte Werkstätten, die zum Teil hervorragende Arbeit leisten. Das Problem, dass bei einer Reparatur oder Restaurierung immer Teile des noch Vorhandenen entfernt werden müssen, ist jedoch geblieben.

Wir möchten Ihnen deshalb an Hand einiger Beispiele Techniken für die Wäsche und die anschließende Konservierung von Kelimfragmenten erläutern, die wir in den letzten 15 Jahren für unsere eigenen anatolischen Kelims entwickelt haben.
Diese Techniken haben wir laufend verbessert, so dass wir heute, nach mehr als 150 konservierten Stücken glauben, einen relativ hohen Standard erreicht zu haben. Es ist unser Ziel, diese Techniken so zu erläutern, dass jeder Interessierte die komplizierten Vorgänge verstehen und nachvollziehen kann.

 


Wenn wir ein beschädigtes Textil vor uns liegen haben, müssen wir den Zustand sorgfältig analysieren und alle zur Säuberung und Konservierung notwendigen Maßnahmen in ein Konzept oder einen Plan einfließen lassen.

waschen

Zur Beurteilung, ob eine Wäsche notwendig ist, müssen wir berücksichtigen, dass Staub, Schmutz oder andere Verunreinigungen dem Gewebe auf jeden Fall schaden. Auch bei idealer Lagerung ist das Gewebe Feuchtigkeits- schwankungen ausgesetzt. Dadurch entsteht Bewegung innerhalb und zwischen den Fäden und Fasern und deshalb auch Reibung. Sind also Staub- und andere Schmutzpartikel vorhanden, kann es allein schon durch diese Reibung zu Schäden kommen. Auch können Substanzen in den Verunreinigungen enthalten sein, die Wolle zersetzen. Eiweißhaltige Flecken können zu Schimmelbildung führen usw.

 

Beispiele für unseren Vortrag sind ab jetzt verschiedene stark beschädigte Kelims oder Fragmente, die auf Grund ihrer Farbstärke, Seltenheit oder ihres Alters unbedingt erhalten werden sollen. Allein beim ersten Betrachten und erst Recht nach Einsatz einer Lupe haben wir hier erheblichen Schmutz zwischen den einzelnen Fäden festgestellt. Der Kelim riecht staubig. Wenn der Zustand des noch Vorhandenen nicht brüchig ist, können wir den Kelim vorsichtig abgesaugen. Hier hat dies alleine jedoch keine ausreichende Verbesserung gebracht, so dass wir uns zu einer Wäsche entschlossen haben.

(Die jetzt beschrieben Prozedur ist bei stark beschädigten Textilien aufwändig. Sie kann aber auch auf weniger beschädigte Stücke mühelos übertragen werden und der Aufwand hält sich dann in Grenzen.)

Waschvorbereitung:

fragmentVor jeder Wäsche muss das beschädigte Gewebe sorgfältig gesichert werden. Ziel ist, dass bei der Wäsche die bereits vorhandenen Schäden nicht größer werden können, die Schüsse bei defekten Kettfäden nicht wegrutschen können und freiliegende und zerrissene Fäden nicht aufquellen. Deshalb ist eine Sicherung aller vorhandenen Beschädigungen zwingend erforderlich. Bei kleinen Beschädigungen reicht schon die Sicherung mit einem dünnen Baumwollfaden.  


sicherung wsche 3

Bei stärker beschädigten Fragmenten aber empfehlen wir zur Wäsche eine Montage auf Plastikgitter, wie es zum Beispiel zum Fliegenschutz in Fenstern angeboten wird. Hier können lose Fäden und andere beschädigte Teile direkt mit einem weißen Baumwollfaden auf das Gitter geheftet werden. Ein Aufquellen und Auflösen oder gar Verlust wird dadurch verhindert. Ein großer Vorteil bei diesem Vorgehen ist auch, dass anschließend bei der Wäsche das nasse Textil problemloser zu handhaben ist. Ein Zerreißen und Verziehen oder gar Abreißen empfindlicher Teile ist nicht möglich. Man fasst nie am nassen Textil an, sondern bewegt immer nur das Gitter mit dem aufgenähten Textil.

sicherung wscheWie bei vielen Textilien, sind auch bei den Kelims die Ränder oft besonders belastet und sind deshalb stärker beschädigt. Sie werden daher mit einer zusätzlichen Sicherung aus dünner Fliegengaze versehen. Dies kann auch bei den Rändern größerer Fehlstellen so geschehen. Meist ist auch ein Abdecken gefährdeter Broschierungen sinnvoll, um diese zu erhalten. Ebenso sichern wir gerissene Kettfäden im sonst intakten Gewebe.

 





Ausreichende Sicherungsarbeiten vor der Wäsche sind immer und bei jedem beschädigten Textil zwingend notwendig!!

sicherung wsche 2 Das Beispiel zeigt eine völlig unzureichende Sicherung.






 

sicherung wsche 4Hier eine Sicherung auf Fliegengitter

 

 

 




Die Wäsche

Nachdem unser Textil gut gesichert ist, kommen wir zu dem Teil unserer Aufgabe, der sicher den größten Stress im Leben eines beschädigten Textils bedeutet, der Wäsche. Bei einer vorhergehenden Analyse haben wir schon den Grad der Verschmutzung und auch den Grad der Beschädigung und Beeinträchtigung sehr genau festgestellt. Diese beiden Variablen (Verschmutzung Beschädigung) verhalten sich wie die beiden Werte einer Gleichung: Sie müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Eine starke Verschmutzung einerseits bedeutet eine intensivere, gründlichere Wäsche oder eine längere Verweildauer in der Waschflotte, was wiederum andererseits bei einem sensiblen Zustand des Gewebes nicht möglich ist, da sonst die Wolle zu stark aufquellen würde. Fingerspitzengefühl ist hier also schon bei den Vorüberlegungen gefragt.

Für die Wäsche bauen wir zuerst ein Becken, etwas größer als das zu waschende Textil. Dazu legen wir Bretter oder Balken aus, befestigen diese untereinander und legen eine starke Plastikfolie, am besten eine Teichfolie hinein. So entsteht ein flaches, cirka 15 - 20 cm hohes Becken, wie in den Abbildungen zu sehen ist. Wir legen das Textil hinein und besprühen es zunächst mit klarem Wasser. Das etwas angefeuchtete Textil ist nun aufnahmefähig für eine „Spezialbehandlung".

Zum Beispiel können wir einzelne stark verschmutzte Stellen mit etwas Waschmittel bestreichen oder auch mit Gallseifen - Creme, falls wir eiweißhaltige Verschmutzungen vermuten. Nach einer kurzen  Einwirkungszeit lassen wir handwarmes Wasser zulaufen und fügen, falls erforderlich ein Waschmittel hinzu. Danach lassen wir alles in Ruhe einweichen.

einweichen

Das Textil ist nun überall mit zwei bis drei cm Wasser bedeckt, auch eventuell abstehende Falten. Die Einweichdauer hängt vom Zustand des Textils ab, also vom vorhandenen Schmutz, den Beschädigungen und von der Festigkeit der Struktur, aber auch von der Qualität der erfolgten Sicherung. Sie kann von einer Stunde bis zu zehn Stunden dauern.

Auch während der Phase des Einweichens dürfen wir das Textil nicht gänzlich aus den Augen verlieren: Obwohl vorher alles auf lose Fäden und andere Beschädigungen durchgesehen wurde, können sich erneut Problemstellen zeigen. Auch müssen wir laufend überprüfen, ob das Gewebe nicht mehr als erwartet aufquillt. Notfalls müssen nachträgliche Sicherungen vorgenommen werden, oder die Dauer des Einweichens muss abgebrochen oder abgekürzt werden.




Zurück zu unserem Waschvorgang und noch einmal die Widerholung der Theorie:

schmutz 5Sowohl die vorhandene Verschmutzung als auch die Wäsche bedeuten eine Gefährdung für das Textil. Verschmutzungen können die Substanz durch chemische Reaktionen angreifen, Sandkörner beschädigen durch Reibung die Fasern der Wolle, Beschädigungen können sich verschlimmern.

Aber auch das Waschen eines schon beschädigten Textils bedeutet, wie schon gesagt, für dieses den größtmöglichen Stress. Waschmittel /Tenside sind alkalisch. Sie beschädigen die Wolle, wenn sie nicht vollständig wieder ausgespült werden. Außerdem bleibt dann die Wolle stumpf, der Glanz geht verloren.









 

 

schmutz 5bStarke Verschmutzungen sind nur durch eine längere Verweildauer in der Waschflotte zu lösen, wobei die Wolle aber nicht zu stark quellen darf. Bei drohender Beschädigung des Textils muss der Waschvorgang abgebrochen werden. Notfalls muss verbleibende Verschmutzung als kleineres Übel in Kauf genommen werden.

 

Hier (in der Vergrößerung gut zu sehen!) die selbe Stelle mit einer Restverschmutzung und fertig konserviert.

 

 

 


Inzwischen ist der Vorgang des Einweichens abgeschlossen, und wir beginnen jetzt mit dem eigentlichen Waschvorgang. Dazu benutzen wir eine Filzrolle mit Stil, mit der wir das Wasser bewegen und vorsichtig durch das Gewebe und die Fasern drücken. Dadurch wird der gelöste Schmutz ausgespült. Das Textil wird nicht bewegt, sondern nur zwischendurch gewendet. Manchmal sieht man jetzt vor lauter Schmutz kaum noch das Textil in der Waschflotte.

Kein Reiben oder Bürsten ist nötig und durch die vorher erfolgte Sicherung können lose Fäden sich nicht öffnen, wegrutschen oder verloren gehen.

In jeder Phase des Waschvorgangs muss das Textil genau beobachtet und eine ständige Erfolgskontrolle durchgeführt werden, das heißt ob die getroffene Maßnahme auch zum gewünschten Ergebnis führt. (Ansonsten kann und muss die Maßnahme abgebrochen werden).

Eine gute Erfolgskontrolle ist die Sichtprobe in einem Wasserglas. Ausschlaggebend für Vergleiche im Waschfortgang ist jedoch nicht eine Probe aus dem Becken, sondern wir prüfen das Wasser, das aus dem Textil herausläuft.

wasserglasLinks sehen Sie nach dem Waschgang das Wasser aus dem Textil, rechts ist das Wasser zum gleichen Zeitpunkt aus der Wanne. Der Unterschied ist enorm.









Spülen

wasserglserDer größte Teil des in der Waschflotte gelösten Schmutzes wird allerdings erst beim Spülen mit klarem Wasser wirklich aus dem Textil entfernt. Gleich zu Anfang sollte man den Kelim noch einmal auf verbliebene Flecken kontrollieren. Notfalls muss bei einzelnen Stellen erneut Seife aufgetragen werden. Aber, wie schon vorher gesagt, müssen bei einem alten Textil auch Flecken akzeptiert werden, die nicht mit herkömmlichen, sanften Methoden zu entfernen sind. Bei der Verwendung von starken Chemikalien kann sowohl das Wollmaterial als auch der Farbfilm dauerhaft beschädigt werden. Durch zu starkes Reiben kann die Wolle verfilzen. Dieser Preis wäre einfach zu hoch.

Es sind eine ganze Reihe von Spülvorgängen notwendig, und bei jedem Wasserwechsel muss eine Probe gezogen werden, um den Fortschritt zu überprüfen.

In dieser Reihe von Wasserproben ist der Fortgang einiger Spülvorgänge dokumentiert. Immer wieder wird in der Wanne das saubere Wasser mit der Rolle vorsichtig durch das Textil gedrückt und zwar so oft und so lange, bis das aus dem Textil herauslaufende Wasser sauber aussieht. Reste von schon gelöstem Schmutz können wir auch in den weißen Baumwollfäden der Sicherung erkennen.
In der letzten, sozusagen sauberen Probe prüfen wir mit einem Teststreifen den PH - Wert, der in der Regel noch zu hoch ist. Die hierfür geeigneten Teststreifen sind in jeder Apotheke erhältlich. (Vor den Gläsern liegt unsere Testskala für den PH-Wert und man sieht die Teststreifen für das jeweilige Glas.) Abschließend geben wir in das letzte Spülwasser Essig, um eventuelle Seifenreste zu neutralisieren und den PH-Wert auf etwa 5 zu senken. Dies ist fast immer notwendig, da selbst normales Leitungswasser meist einen PH-Wert um 5,6 hat.  Den unverdünnten Essig gießen wir jedoch nie direkt auf das Textil, sondern wir legen das Textil erst in das mit Essig gesäuerte Wasser.

Ganz deutlich möchten wir sagen: Bei der Wäsche > rote Karte für Schrubber oder Bürsten, > rote Karte für zu scharfe Waschmittel, Bleichmittel und natürlich für die Waschmaschine. Aber auch eine rote Karte für > das Waschen ohne vorherige Sicherung der Beschädigungen und der losen Fäden. Wir selber würden auch niemals Weichspüler oder ähnliches benutzen, auch keine Waschmittel mit Duftstoffen, Farbverstärkern oder –Aufhellern.

Das Textil sollte nach dem Waschen möglichst schnell liegend trocknen. Sind wir allerdings ganz sicher, das die Farben beständig sind und nicht auslaufen und außerdem wirklich aller Schmutz 100 % ig entfernt wurde, können wir kleine Textilien auch hängend trocknen. Die Waschunterlage verhindert ein Verziehen.

 

 


 

Konservierung von Kelimfragmenten

Konservierung 1

Dauerhafte Konservierung durch die Montage auf Leinen


Durch die Wäsche hat uns unser Textil schon eine Menge Arbeit bereitet und Stress erfahren,
und jetzt erst beginnt die eigentliche Aufbereitung oder Konservierung.
Wir entfernen zunächst alle Sicherungen, die wir für die Wäsche angebracht haben. Um daraus zu lernen kontrollieren wir, ob die abgetrennten Baumwollfäden wirklich weiß sind oder ob doch noch Schmutzreste verblieben sind.
Haben wir uns zu wenig Arbeit gemacht? Gibt es Beschädigungen? Leider ist es nicht möglich, festzustellen, ob wir uns zu viel Arbeit gemacht haben. Im besten Fall finden wir keine neuen Beschädigungen und bedauern auch den Aufwand nicht.
Das abgetrennte Textil kann jetzt vorsichtig ausgebügelt werden. Beim Bügeln mit Dampf auf niedrigster Stufe legen wir ein Leinentuch auf das empfindliche Gewebe.
Unser Ziel ist es jetzt, dieses Textil dauerhaft sicher lagern oder es auch einmal wie ein Bild an die Wand hängen zu können, ohne dass Beschädigungen entstehen. Ein Aufhängen ohne Unterlage würde auch hier eine rote Karte bekommen, da die Kettfäden eines betagten Textils dies dauerhaft nicht ohne Schäden ertragen würden.
Zu unseren Überlegungen, wie ein Textil zu erhalten ist, kommen jetzt weitere Aspekte hinzu, und wir möchten an einige grundsätzliche Kriterien erinnern.
- Alle anfallenden Arbeiten sollten mit den einfachsten Mitteln (Nadeln, Garn, Schere) zu bewältigen sein
- Der wirtschaftliche Aspekt sollte nicht vernachlässigt werden. Das heißt, auch die zeitliche Dimension (die Arbeitsmenge) sollte überschaubar sein. Der gewählte Aufwand soll im Verhältnis zur Bedeutung des Fragmentes stehen.
- Bei allen Projekten sollte ein fotografisches Arbeitsprotokoll die erfolgten Arbeiten und Veränderungen festhalten und nachvollziehbar machen.
- Ziel ist es, ein Textil zu erhalten, das der ursprünglichen Idee möglichst nahe kommt. Störende Beschädigungen sollten optisch minimiert und dauerhaft beständig konserviert, werden. Nichts darf entfernt und natürlich auch nichts hinzugefügt werden, was mit der originalen Substanz fest verbunden ist.

 Konservierung 2   Konservierung 3

 Wir sehen hier den gleichen Kelim abgetrennt und ausgebügelt (linkes Bild). Anschließend haben wir probeweise rot gefärbtes Leinen unterlegt, um die Grafik zu vervollständigen (rechtes Bild).


Ziel unserer Arbeit ist neben dem dauerhaften Erhalt eines fragmentarischen Textils also auch eine Aufbereitung, die vorhandene Beschädigungen möglichst in den Hintergrund treten lässt.
Nach der Entfernung der Waschsicherung wird der Kelim auf gewaschenem und gebügeltem Leinen zunächst ausgerichtet und dann aufgesteckt.
Sehr häufig sind bei alten Textilien einzelne Farben korrodiert oder verloren gegangen. Beim Fehlen der farbigen Schussfäden kann man durch eingefärbte Leinen-Unterlagen die Auffälligkeit der Fehlstelle mildern und das Fragment dem ursprünglichen Zustand annähern. Lässt sich doch unser Auge bei Fehlstellen gerne überreden, diese dann kaum noch wahrzunehmen oder sie zu akzeptieren.

 Konservierung 4 Konservierung 5 Konservierung 6

Beim Aufnähen des Fragmentes ist unbedingt darauf zu achten, dass freiliegende Kettfäden gerade in der Webrichtung verlaufen. Auch bei dieser Arbeit, vor allem beim partiellen Unterlegen mit farbigem Leinen, ist ein Konzept notwendig, damit nicht der Eindruck eines Flickenteppichs entsteht.
Auch das Einfärben des Leinens für die Unterlage birgt Probleme: Es ist fast unmöglich, den mit Naturfarben erzeugten Farbton eines alten Kelims bei einer Nachfärbung der Unterlage mit Chemiefarben genau zu treffen. Es entsteht dabei immer eine einheitliche Färbung, während die alte Naturfarbe lebendige, leicht wechselnde Abstufungen enthält. Typisch dafür ist die Diskussion mit unserem Färber. Wir bringen ihm Stoff zum Einfärben und zeigen ihm die Stelle, die als Farbvorlage dienen soll. Auf unsere Bitte: dieses Rot einzufärben, fragt er meist: "welches Rot genau?" Selbst um eine kleine Fehlstelle herum gibt es eine Vielzahl von Schattierungen der gleichen Farbe. Bei größeren Fehlstellen ist deshalb stets zu überlegen, ob eine farblich abweichende Ergänzung die Ästhetik eher verbessert oder stört. Manchmal ist das ungefärbte Leinen die bessere Alternative.

Konservierung 7Auch schräg verlaufende Kettfäden stören das Auge und betonen eher die Beschädigung, ebenso wie frei auslaufende farbige Schussfäden ungerichtet das Muster stören und die Beschädigung eher betonen.

 

 

 

 

Zurück zur Praxis der Montage:

Konservierung 8Soll ein größeres Textil komplett auf Leinen montiert werden, so beginnen wir immer, dieses von der Mitte aus aufzunähen. Wir spannen das Leinen mit dem aufgesteckten Kelim auf eine Art Staffelei in der Breite des Kelims, so dass immer ein Feld von ca. 50 cm Höhe bearbeitet werden kann. Wiederum beginnen wir in der Mitte dieses Feldes und arbeiten von hier nach außen zu den Rändern. Nur so können Unebenheiten zu den Rändern weggeschoben werden und es entstehen später keine Beulen in dem fertig aufgenähten Stück. (Wer einmal selbst tapeziert hat, kennt das System).

 

 

 

Hier sieht man alle Phasen dieses Systems:

Konservierung 9  Konservierung 10  Konservierung 11

Konservierung 12Wir arbeiten mit einer gebogenen Nadel, so dass wir nicht hinter das Textil greifen müssen. Das erfordert zwar zunächst etwas Übung, ist dann aber eine wesentliche Erleichterung. Man hat beim Arbeiten beide Hände frei und kann beim Nähen auf die perfekte Ausrichtung aller Fäden achten und diese notfalls korrigieren.

 

 

 

Konservierung 13 Konservierung 14 Konservierung 15

Konservierung 16

Fragmente dürfen niemals nur an den defekten Stellen aufgenäht werden. Das Textil hängt sonst mit seinem gesamten Gewicht nur an der Beschädigung, die sich früher oder später verschlimmert und es entstehen Beulen. (Wenn Sie das nebenstehende Bild vergrößern, sehen Sie neben diesem Fehler auch, dass hier zur Konservierung fast nur Spannstiche verwendet wurden.)

 

 

 

 

Konservierung 17

Das nebenstehende Bild zeigt eine Rückseite in der von uns beschriebenen Technik.

 

 

 

 

 

 

 

Konservierung 18Mindestens eine gelbe Karte erhält auch die heute so gerne benutzte Technik, das Textil nur in Quadrate einzuteilen und mit Spannstichen zu befestigen. Das Ergebnis erinnert an eine Steppdecke und zu unserem Entsetzen durften wir auf einer Ausstellung anlässlich der ICOC 2007 die wunderschönsten Kelims auf diese Art und Weise montiert bewundern. Einige von Ihnen werden dies noch in Erinnerung haben. Hier ein trauriges Beispiel von einem unserer Lieblingskelims

 

 

 

 

 

Bilder von Kelims: vor der Wäsche - nach der Konservierung  (vom Auffindungszustand zur Museumswürdigkeit).